Tod Papageorge, California Beach, 1981

Cool am Strand - Tod Papageorge

DIE SERIE AT THE BEACH DES BEDEUTENDEN AMERIKANISCHEN FOTOGRAFEN TOD PAPA-

GEORGE PRÄSENTIERT SCHWARZ-WEISS- FOTOGRAFIEN VON STRANDBESUCHERN IN LOS ANGELES AUS DEN SPÄTEN 1970ER UND FRÜHEN 1980ER JAHREN. DIESE BILDER DER STRÄN- DE VON VENICE BIS MALIBU ENTSTANDEN AUF MEHREREN REISEN DES KÜNSTLERS NACH KALIFORNIEN ZWISCHEN 1975 UND 1981. OBWOHL DIE FOTOGRAFIEN VOR ÜBER DREI JAHR- ZEHNTEN AUFGENOMMEN WURDEN, WIRKEN SIE AUCH HEUTE NOCH ÜBERRASCHEND AK- TUELL UND IN IHRER KLASSISCHEN KOMPOSITION ZEITLOS. UND: AN DEN WERKEN ZEIGT SICH AUCH, DASS SICH EIN INVESTMENT IN KUNST LOHNEN KANN.

Surfer waren schon immer die Coolsten am Strand. Die Bilder von Papageorge beweisen das eindrücklich. Sie verkörpern den Zeitgeist und den kalifornischen Way of Life mit seiner unverwechselbaren Mischung aus Leichtigkeit, Körper- und Konsumkultur vor einer landschaftlichen Kulisse von blendender Schönheit.

Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Tod Papageorges Fotografien aus den späten 1970er Jahren betonen einen Aspekt der Überhöhung und Verdichtung von Schönheit und Körpern im Raum, wie er selbst beschreibt: „Ein Gefühl, das in vielen der Strandbilder durch ihre visuelle Komplexität noch verstärkt wird, eine Art von Dichte, die ich in meiner Arbeit von Anfang an anstrebte.“

Das ist an den kalifornischen und an anderen Stränden dieser Welt noch immer – und schon wieder so. Gymgestählte, sonnengebräunte Surfer-Körper werden zur Schau gestellt, gern trägt Mann wieder Bart zu den längeren, blondierten Haaren, und natürlich darf – neben der knappen Swimwear – die teure Marken-Sonnenbrille nicht fehlen.

Das hat etwas von Schauspiel, vom Faktum des Zur-Schau- Stellens, von Theater – der Strand als die sandigen Bretter, die die Welt bedeuten, jedenfalls für diejenigen, welche auf dieses Schauspiel stehen und gern mitmachen, sei es als Poser oder als Beobachter.

PAPAGEORGES FOTOGRAFIEN BETONEN EINEN ASPEKT DER ÜBERHÖHUNG UND VERDICH- TUNG VON SCHÖNHEIT UND KÖRPERN IM RAUM.

Tod Papageorge, California Beach, 1988

Papageorge ist so ein Beobachter. Mit der Kamera in der Hand durchstreift er die Strände, nähert sich den halbnackten Gestal- ten, lichtet sie ab – und fängt scheinbar alltägliche Situationen ein, die beim genauen Betrachten den Strand als Fokus des Mit- einanders in den Mittelpunkt rückt. Physische Realität offenbart auf einmal außergewöhnliche poetische Momente, ohne voyeu- ristisch zu wirken.

Fernab der hektischen Metropolen legen die lichtdurchfluteten Bilder dieser Serie einmal mehr Zeugnis seiner einzigartigen künstlerischen Vision ab: in Gruppen junger Menschen kompo- nieren sich Papageorges Motive unbefangen zu vielschichtigen Tableaus, die in der klassischen Malerei ihr Vorbild finden. Dabei ist es überaus wohltuend, die mit diesen Motiven üblicherweise verbundenen, kreischenden Bonbon-Farben vermeidend, Fotos monochromatisch betrachten zu dürfen.

Tod Papageorge, California Beach, 1978

Papageorge erinnert sich an seine erste Reise nach Kalifornien im Jahr 1975, als er zum ersten Mal intensiv mit einer Mittel- formatkamera arbeitete: „Ich wusste, dass ich eine Kamera be- nutzte, die die Schönheit des Lichts in atemberaubender Weise festhalten konnte“, sagte er. „Das Licht ist eine sehr, sehr star- ke Komponente.“ Die hochwertig in Zusammenarbeit mit dem Künstler produzierten Silbergelatineabzüge veredeln die Licht- szenarien in präzise austarierten silbrigen Graustufen.

Tod Papageorge wurde 1940 in Portsmouth geboren und begann während seines letzten Semesters an der University of New Hampshire, die er 1962 mit einem Abschluss in englischer Lite- ratur verließ, zu fotografieren. In den 1970er Jahren erhielt er zwei Guggenheim-Stipendien und Stipendien der National En- dowment for the Arts.

Im Jahr 1979 wurde er zum Walker-Evans-Professor an der Yale School of Art ernannt, wo er bis 2013 auch die Position des Direk- tors für Graduiertenstudien der Fotografie innehatte. Papageor- ges Arbeiten wurden international ausgestellt und sind in über 30 bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten.

PHYSISCHE REALITÄT OFFENBART AUF EINMAL AUSSERGEWÖHNLICHE POETISCHE MOMENTE, OHNE VOYEURISTISCH ZU WIRKEN.

Tod Papageorge, California Beach, 1981

Im Jahr 2009 war Papageorge Stipendiat an der American Aca- demy in Rom und wurde 2010 mit der Rome Commission in Photography ausgezeichnet. Im Jahr 2012 erhielt er den Lucie Award für Dokumentarfotografie. Der Einfluss von Papageorge auf die zeitgenössische Fotografie kann kaum überschätzt wer- den. Renommierte Fotografen wie Philip-Lorca diCorcia, Gre- gory Crewdson und Anna Gaskell gehörten zu seinen Schülern. Papageorge lebt und arbeitet derzeit in New York.

Eine Publikation zur Serie At the Beach erschien 2023 im Stanley/Barker Verlag